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Kattenstiegsaga

In der Mark Brandenburg, nahe dem Dorfe Lellichow in der Prignitz, in einer Gegend, in der noch immer der Wald weithin über die Felder Sieger blieb, liegt eine alte Mühle. Das Mühlenrad treibt ein kleiner Bach, der aus einem kleinen See her fließt, der inmitten dunkler Kiefern versteckt nahe bei der Mühle liegt und doch von dieser kaum zu sehen ist. Von der Mühle aus verliert sich dann der Bach in einem weiten Wiesengelände, das in seiner Lieblichkeit einen wohltuenden Gegensatz bildet zu dem düsteren See. Die weiten Wiesen mildern so auch den ernsten und manchmal etwas unheimlichen Eindruck, den die Mühle sonst leicht auf den Besucher macht. Das ist die Kattenstiegmühle. Mit ihrem Namen hat es folgende Bewandnis.

Das umliegende Land hatte zwar, da es meist mit Wäldern bedeckt war, nicht viele reiche Bauernhöfe aufzuweisen, die einem Müller lohnenden Erwerb bieten konnten. Da die Mühle aber weithin die einzige war, hatten die Müller es durch Generationen hindurch zu einem Wohlstand gebracht, mit dem sich auch die reichsten Bauern weit im Umkreise nicht messen konnten.Es war darum auch kein Wunder, dass einst, als der Stamm der Müller dieser Mühle nur noch auf den beiden Augen der einzigen Tochter des Müllers ruhte, sehr viele junge Burschen aus der Gegend begehrlich nach der Mühle blickten. Auch ohne die Mitgift der Mühle wäre es verständlich gewesen, denn diese beiden Augen gehörten einem frischen und hübschen Mädel, um das allein es sich schon lohnte, von weit her den Weg unter die Füße zu nehmen. Wie das aber nun mit solchen begehrten Mädchen oft so geht, gefallen sich diese oft durchaus nicht allein in der Rolle, selbst nur Gegenstand des Begehrens zu sein, sondern sie haben noch sehr ihren eigenen Kopf und spannen ihre Wünsche und Forderungen dabei dann höher, als den eigenen Eltern lieb und ihnen selbst oft nützlich ist. Es liegt aber auf der Hand und ist nur natürlich, dass die jungen Burschen aus dem nächsten Dorf, die mit dem jungen Mädchen noch zur Schule gegangen waren und sie noch als Kinder an den langen Zöpfen gezogen hatten, zuerst sich um die hübsche Blume bemühten, die in ihrer Nähe allmählich sich zu entfalten begann. Aber alle Bemühungen und Bewerbungen waren vergebens, obwohl mancher Bauern- und Besitzersohn darunter war, den die alten Müllersleute sehr gern als Schwiegersohn auf ihrer Mühle gesehen hätten und der auch das Zeug zu einem tüchtigen Müller in sich hatte. Je dringender die Bewerbungen wurden und je mehr die Eltern auch dafür sprachen, um so stolzer und abweisender wurde das Mädchen. Bald kamen die Bewerber auch von weit her, denn der Ruf der Schönheit der Müllerstochter hatte sich immer weiter im Lande herumgesprochen. Noch aber konnte keiner ihr Herz erweichen. Da begannen die Burschen des Dorfes, die anfangs argwöhnisch nur einer auf den anderen geachtet hatten, dass dieser ihm nur ja nicht den Rang ablaufe, in den Bemühungen um die schöne Mühlenerbin, sich allmählich zusammenzuschließen in der Abwehr der fremden Bewerber. Gönnte einer dem anderen schon die Beute nicht, so sollte ein Fremder aber doch unter keinen Umständen den Preis entführen.

Eines Tages kam von weit her ein Bauernsohn, um sich als Müllerknecht zu verdingen. Dem Müller gefiel der Bursche, und auch die Tochter hatte ein freundliches Lächeln für ihn. Er wurde also als Knecht angenommen, blieb auf der Mühle und erhielt seine Kammer neben dem Mühlrad zu ebener Erde nach dem See hin angewiesen. Es war im Frühjahr, und der beginnende Frühling machte die Herzen froh und leicht. So geschah es auch, dass die Müllersleute bald zu ihrer Freude merken konnten, dass der Fremdling ihrer Tochter nicht gleichgültig blieb. Verborgen blieb es allerdings auch nicht den jungen Leuten im Dorf. Bald war es denn auch in der Nachbarschaft herum, nach Johanni sollte die Hochzeit sein. Da erwachte zwei Tage vor Johanni der Müllersknecht durch ein grässliches Katzengeschrei vor seinem Fenster. Erst zog er sein Deckbett über den Kopf, um ungestört weiterschlafen zu können. Aber das Geschrei wurde noch ärger. Da öffnete er das Fenster, um die Ruhestörer zu verscheuchen. Er hatte geglaubt, zwei oder drei der Hauskatzen gäben sich draußen ein Stelldichein. Wie sträubten sich ihm da die Haare, als ein halbes Dutzend Katzen, groß wie Hofhunde, im Vollmondschatten des Mühlenrades durcheinander sprangen und schrien. Als er am Fenster erschien, sprangen sie schreiend und fauchend auf das Fenster zu, sodass er es schnell schloss und voller Angst und Schrecken sich die Ohren zuhielt und sich wieder in sein Bett verkroch. Schlag 12 Uhr um Mitternacht erst verschwand der ganze Spuk, und es wurde wieder Ruhe um die Mühle. Als er am nächsten Morgen den alten Leuten und der Tochter sein Erlebnis erzählte, hielt man seine Erzählung nur für einen schlechten Traum, da ja sonst außer ihm doch jemand anderes auch noch den Lärm gehört haben müsste, und das Mädchen sah ihn sogar etwas mitleidig an, sodass er schon bereute, etwas erzählt zu haben, und beinahe selbst an einen Traum glaubte. Es kam die nächste Nacht. Wieder lag die ganze Mühle und der See in tiefer Ruh, bis wieder um dieselbe Zeit das Katzengeschrei sich erhob. Jetzt schien es die doppelte Zahl von Katzen geworden zu sein. Diesmal war der Lärm noch näher heran, und plötzlich öffnete sich das Fenster zu seiner Kammer, und die riesigen grauen Katzen sprangen auf leisen Sohlen mit einem Satz in die Stube herein und wieder hinaus, eine nach der anderen. Sie fuhren ihm dabei mit ihren Krallen fast ins Gesicht, und ihr unheimliches Geschrei hätte auch stärkeren erzittern lassen. Wieder verschwand der ganze Spuk Schlag Mitternacht. Am nächsten Morgen wagte der Müllerknecht gar nicht mehr, von seinem Erlebnis zu erzählen, aber er war den ganzen Tag zerfahren und kaum fähig, zu arbeiten. Die folgende Nacht war die Johannisnacht. Vor Angst konnte er gar nicht erst einschlafen. Es kam, wie er gefürchtet. Wieder begann das entsetzliche Katzengeschrei. Fast gleichzeitig aber damit, sprang das Fenster weit auf, sechs Katzen sprangen geschmeidig herein, packten ihn mit ihren Pfoten, warfen ihm aus dem Bett und auf das Mühlrad, das sich im Mondschein, wie vom Mondstrahl selbst getrieben, zu drehen begann, und ihn im rasenden Wirbel durch die Luft und durch das Wasser, durch das Wasser und die Luft schleuderte, dass ihm hören und sehen verging. Je drei Katzen saßen währenddessen zu beiden Seiten des Rades und sahen mit grünen Lichtern zu. Schlag zwölf Uhr war auch dieser Spuk wieder zu Ende, und der Bursche fand sich vollkommen müde und zerschlagen in seinem Bett. Er tat kein Auge mehr zu, und mit dem ersten Hahnenschrei, als der junge Tag hereinbrach, da packte er sein Bündel, und als die Müllersleute erwachten, war er schon weit fort von der Stätte des Schreckens.

Nach einigen Wochen kam wieder ein fremder junger Mann zur Mühle. Auch er aber war kaum einige Tage heimisch geworden, als es ihm ebenso erging, und auch er schneller als er gekommen war, die ungastliche Stätte wieder verließ. Noch einige Male versuchten andere ihr Glück mit demselben Erfolg, bis allmählich die Bewerber immer seltener wurden und die Mühle im ganzen Lande als verhext galt. Längst hatte sich der Stolz der schönen Müllerin gelegt, und manche Tränen weinte Sie um ihr entgangenes Glück.

Da kam eines Tages wieder ein Wandersmann. Wieder war es Frühling, und wieder blühten die Blumen auf den Wiesen so lieblich, und der Wanderer brachte so frischen Mut und so unbekümmertes Lachen, daß die alten Leute wieder aufatmeten und auch die Müllerstochter wieder scheu zu hoffen wagte. Auch er hatte sein Herz sofort an das Mädchen verloren und wünschte nichts mehr, als sofort als Müllersknecht auf der Mühle zu bleiben und mit frohem Gesang das Klappern des Mühlrades zu übertönen. Als man ihm das Abenteuer mit den Katzen erzählte, lachte er nur und meinte, er würde schon mit ihnen fertig werden. Wieder kamen die Johannisnächte. Wieder ertönte das entsetzliche Schreien und Fauchen in der Nacht. Der Bursche aber hielt sich die Ohren zu und schlief weiter und so fest, dass er es nicht einmal merkte, als der Spuk zu Ende war. Als er am nächsten Morgen ängstlich gefragt wurde, wie er geschlafen hätte, konnte er nur lachend sagen, daß er nicht schlechter als sonst die Nacht verbracht hätte, und alles war herzlich froh. Für die zweite Nacht erbat er sich ein Stück Kreide von dem Mädchen. Als er schlafen ging, zog er zwar mit dieser Kreide einen Kreis rings um sein Bett. Dann legte er sich wieder aufs Ohr. Es kam auch in der zweiten Nacht wie immer. Das Fenster öffnete ich, und die großen grauen Katzen sprangen herein, fauchten ihn an und streckten ihre Krallen gegen ihn. Über den Kreis aber wagte sich keine. Der Bursche aber drehte sich auf die andere Seite und merkte es auch nicht, wie Schlag Mitternacht alle mit einem schrecklichen Fauchen wieder aus der Stube sprangen. Es kam die Johannisnacht. Diesmal schlief der junge Mann nicht, sondern setze sich mit seinem guten Soldatensäbel, den er von der Wanderschaft mitgebracht hatte, innerhalb des Kreidekreises auf sein Bett und wartete auf die Dinge, die da kommen sollten. Wieder öffnete sich kurz vor Mitternacht das Fenster, und herein sprangen die Katzen. Als sie den Burschen diesmal nicht in seinem Bett schlafend, sondern mit dem Säbel in der Hand sitzend fanden, stutzten sie und schlichen auf leisen Sohlen immer um den Kreidekreis herum. Sie fauchten ihn von allen Seiten wütend an, aber keine Katze wagte es, den Kreis zu überschreiten. Der Bursche blieb gleichmütig sitzen. Diese Ruhe aber reizte schließlich eine von den Bestien so sehr, dass sie mit einem wütenden Prankenhieb in den Kreis hinein nach ihm schlug. Wie der Blitz aber hatte der Müllerknecht da auch schon mit seinem Degen zugeschlagen und der Katze, die sich nicht mehr rasch genug in Sicherheit bringen konnte, ein Stück der Pfote abgeschlagen. Gleichzeitig schlug es Mitternacht, und mit einem grässlichen Schrei, der diesmal fast wie Menschenstimmen klang, war der ganze Spuk zerstoben. Der Jüngling aber schlief nun ungestört bis in den jungen Tag hinein.

Von da ab hatte das Unwesen ein Ende, und Ruhe und Frieden waren in der Mühle eingekehrt. Die schöne Müllerstochter wurde glückliche Braut, und der Müller war mit Freuden bereit, seine Mühle und sein Reichtum an den tapferen und tüchtigen Schwiegersohn zu übergeben. Bald wurde die Hochzeit gefeiert, an der nun wieder versöhnt das ganze Dorf sich beteiligte. Alle jungen Leute waren glücklich und zufrieden, selbst der Sohn des Schmiedebauern, obwohl er kurz zuvor in der Schmiede, durch einen Unglücksfall, wie er sagte, einen Finger verloren hatte. Die Mühle aber heißt bis auf den heutigen Tag die Kattenstiegmühle.

 

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